Fast wie früher

Mit meiner Kindheit verbinde auch ich bestimmte Gerüche, Geschmäcker und Gerichte. Es gab zum Beispiel viel häufiger Kompott als heute, eigentlich jedes Wochenende, weil es einfach da war. Das Obst wurde eben selbst eingekocht. Auch meine Standardwünsche, die ich immer äußere, wenn Mama fragt, was sie denn kochen soll, wenn ich zu Besuch bin, kamen häufiger auf den Tisch. Heute hat das Wünschen anscheinend gar keinen Zweck mehr, denn es gibt nie Spinat mit Kartoffeln und Ei oder Eier in Senfsauce. Dabei schmeckt das selbst gekocht einfach anders als zu Hause – die Eier in Senfsauce insbesondere. Zu den typischen Sachen, die es heute kaum oder gar nicht mehr gibt, gehören auch Anisplätzchen und Mohnzopf.

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Beides gab es bei einer Bäckerei in der Nachbarschaft das ganze Jahr über. Auf den Regalen standen Holzmodel für Osterlamm und -hase und in der Auslage gab es verschiedenste Kuchen und neben den Anisplätzchen noch Schwarzweißgebäck. Als Kind durfte ich öfter allein zur Bäckerei mit dem Roller oder Fahrrad. Über den Spielplatz, die eher provisorische Holzbrücke über dem Graben, vorbei an einem Grundstück, auf dem Gänse gehalten wurden. Heute gibt es die Bäckerei leider nicht mehr und das Haus ist umgebaut.

So bleiben es Kindheitserinnerungen. Für die Plätzchen habe ich schon ein passendes Rezept gefunden, es sind die mit den Füßchen. Bei den Mohnzöpfen ist das etwas schwieriger.  Eigentlich ist es ein Teig, den man auch bei Milchbrötchen findet. Mohnzöpfe gab es zum Frühstück oder Kaffeetrinken mit Pflaumenmus, Marmelade oder Honig und sie sind mit Mohnbrötchen gar nicht zu vergleichen.

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Als ich vor einiger Zeit dann bei Susanne dann vor einiger Zeit las, dass sie Milchhörnchen aus ihrer Erinnerung nachgebacken hat, kam mir die Idee das gleiche mit den Mohnzöpfen zu versuchen. Auch hier habe ich wie bei der Fougasse einen Vorteig (Biga) verwendet und etwa 17 Stunden bei Raumtemperatur gehen lassen. Das Ergebnis ist bis auf die amateurhafte Ausformung geschmacklich wirklich gut und kommt meiner Erinnerung sehr nahe. Die Zöpfe sind vielleicht noch einen Tick zu süß und zu flaumig – sonst ja eher kein Nachteil.

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Mohnzöpfe mit Vorteig

für zwei Zöpfe, etwa 25cm lang

Biga

  • 2g frische Hefe
  • 125g Dinkelmehl (Weizen funktioniert auch)
  • 75ml lauwarmes Wasser
  • 75ml lauwarme Milch

Die Hefe zum Mehl in eine Schüssel krümeln und mit Milch und Wasser zu einem flüssig-zähen Teig verrühren (Holzlöffel). Schüssel mit Frischhaltefolie bedecken und bei Raumtemperatur mindestens 12h gehen lassen.

weitere Zutaten

  • 375g Dinkelmehl und etwas zum Kneten
  • 10g Vanillezucker
  • 40g Zucker
  • 1 TL Salz
  • 3g frische Hefe
  • 100ml lauwarme Milch
  • 50g weiche Butter in Flöckchen
  • 2 EL Sahne zum Bestreichen
  • 2 EL ganze Mohnsamen

Alle Zutaten bis auf Sahne und Mohn zum Vorteig geben und gut mindestens 5 Minuten lang zu einem glatten, geschmeidigen Teig verkneten. Dieser sollte nicht mehr kleben. In einer abgedeckten Schüssel an einem warmen Ort (Backofen mit eingeschaltetem Licht) gehen lassen, bis der Teig sich in seinem Volumen verdoppelt hat, etwa 1-2h.

Den Teig kurz durchkneten (ggf. mit etwas Mehl bestäuben), in zwei gleichgroße Portionen und diese wiederum in drei gleiche Portionen teilen. Jeweils 3 Portionen zu etwa 25cm langen Strängen formen und diese locker zu einem Zopf flechten. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und mit Sahne bepinseln und Mohn darauf streuen. Erneut im Ofen 30 Minuten gehen lassen.

Dann bei 200°C Ober-/Unterhitze 15 Minuten backen. Hitze auf 175°C reduzieren und weitere 10-12 Minuten backen.

Abgewandelt und entveganisiert (seltener Fall..) von hier.

Aufgrund des Vorteigs auch ein Rezept geeignet für den Bread Baking Day.

 

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6 Gedanken zu “Fast wie früher

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